Ferienwohnung auf Texel

Texel: Paradies für Vögel und Vogelfotografen (Foto: Ulrich Koch)

Mit seinen Dünenlandschaften, Feuchtwiesen und Wäldern ist Texel ist ein Paradies für Vögel. Auf der Insel leben über zweihundert Arten, von denen einige auf der roten Liste stehen. Als Vogelinsel ist Texel daher sehr beliebt bei Ornithologen, Vogelbeobachtern und Naturfotografen. Man begegnet ihnen an vielen Orten, oft halb versteckt hinter riesigen Ferngläser und Teleobjektiven. Einer von ihnen ist Ulrich Koch aus dem nordrhein-westfälischen Velbert. In unserem Logbuch nennt er seine Lieblingsorte für die Vogelfotografie auf Texel, er gibt praktische Tipps für Fotografen und er präsentiert der Öffentlichkeit erstmalig eine Auswahl seiner Fotos.

Große Artenvielfalt auf kleiner Fläche

von Ulrich Koch

Für Vogelfotografen ist Texel eine der besten Locations überhaupt. Auf einer vergleichsweise kleinen Fläche gibt es eine Vielzahl von Arten zu sehen. Einige der Tiere sind auf Texel beheimatet, andere legen hier einen Zwischenstopp ein auf ihrer langen Reise in den Süden oder Norden. Viel Abwechslung bieten auch die verschiedenen Landschaftstypen der Insel, die mit ihrer Flora und Fauna einen ganz eigenen kleinen Mikrokosmos darstellen. Zudem ist Texel schnell aus Deutschland erreichbar, was nicht nur ideal für einen ausgedehnten Urlaub ist, sondern auch für einen kurzen Wochenendbesuch. Nun aber zu den Orten, die mir als Vogelfotograf besonders in Erinnerung geblieben sind.

De Geul & De Horsmeertjes

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Abendessen: Greifvogel auf der Suche nach Beute (Foto: Ulrich Koch)

De Geul ganz im Süden der Insel ist ideal für Flugaufnahmen. Der beste Platz dafür ist der Aussichtspunkt am Ende der Straße (s. Screenshot Karte Nr. 1/2). Bestes Licht für Naturfotografie ganz früh morgens nach Sonnenaufgang und abends vor Sonnenuntergang (goldene Stunde). Abends kann man vor allem schöne Flugaufnahmen Richtung Mokbaai machen. Formatfüllende Fotos von den Vögel auf dem See sind hingegen weniger gut möglich, da der See groß und die Tiere meist weit weg sind. Beim Fotografieren habe ich mich daher auf die Flugfotos konzentriert. So konnte ich Austernfischer, Kormorane, Gänse, Löffler, Möwen, Greifvögel und Reiher ablichten (s. Fotos mit den Bildnummern -118.jpg, -126.jpg, -131.jpg, -132.jpg, -133.jpg). Mein Fazit: De Geul ist die beste Location für Flugfotos auf der Insel.

De Horsmeertjes ist an einigen Stelle so offen, dass man auch schwimmende Vögel und natürlich auch fliegende gut erwischt (Bildnummern -123.jpg und -124.jpg). Hier einfach vom Parkplatz am Mokweg auf dem Weg Richtung Meer laufen und einen guten Platz suchen. Überall in den Büschen sieht und hört man auch Singvögel. Für Blaukehlchen, die ich gerne aufgenommen hätte, war es leider schon zu spät (besser in der Brutzeit im frühen Frühling), ich habe keines gesehen.

Objektivempfehlung: Da die Vögel in unterschiedlicher Entfernung an einem vorbeifliegen, reichen 400 mm schon aus (ich habe eine 500mm Festbrennweite mit einem 1,4er Konverter an einer Kamera mit APS-C-Sensor benutzt).

Vogelvielfalt: Komplette Bildergalerie

Waagejot (bei Oosterend):
Vogelinsel mit Brutstätten

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Fischmahlzeit: Füttern eines Jungvogels (Foto: Ulrich Koch)

Nach allem, was ich bis vor dem Urlaub recherchiert habe, sollte Waagejot bei Oosterend die beste Location sein. Die Bedingungen vor Ort haben sich allerdings in den vergangenen Jahren leider ein wenig geändert. Die Entfernung vom Fotostandort zu den Inseln, auf denen die Vögel noch vor wenigen Jahren gebrütet haben, ist wirklich nicht weit. Allerdings habe ich hier bei meinen Besuchen keine brütenden Tiere angetroffen. Dennoch konnte ich an einem Tag zwei Säbelschnäbler, die im Wasser vor den Inseln nach Nahrung suchten, großformatig aufnehmen (Bildnummer -120.jpg ) mit 500mm am Vollformat, nicht gecroppt.

In den Jahren zuvor war die Inseln wahrscheinlich weniger mit Gras bewachsen, so dass man auch die Säbelschnäbler mit ihren Küken formatfüllend aufnehmen konnte. Durch das hohe Gras in diesem Jahr brütet aber leider kein Vogel auf der naheliegenden Inselreihe – ich habe zumindest kein Nest in freier Sicht gesehen. Die Nester (allerdings nur die der Möwen und Seeschwalben) befinden sich auf viel weiter hinten liegenden Inseln, die für Fotografieren uninteressant sind. Auf den vorderen Inseln halten sich im Übrigen kaum Vögel auf. Schade! Würden auf den vorderen Inseln Vögel brüten, wäre das die Location. Beste Zeit zum Fotografieren: Morgens nach Sonnenaufgang, sobald die Sonne über dem Deich ist, je nach Sonnenintensität bis 8:30 Uhr (bei sonnigem Wetter – danach wird das Licht m.E. zu hart), bei Bewölkung bis mittags.

Ottersaat (bei Oudeschild):
Naturfotografie ganz nah

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Vögel streiten um ihr Revier (Foto: Ulrich Koch)

Nach Auskunft einiger Insider ist Ottersaat bei Oudeschild die derzeit beste Location für Vogelfotografen auf Texel. Und aus meiner Erfahrung kann ich das nur bestätigen. Hier sind die Inseln, auf denen die Vögel brüten, nicht überall mit hohem Gras bewachsen, so dass man freie Sicht hat. Anders als am Waagejot halten sich auch viele Vögel auf den vorderen Inseln auf, was ideal für jegliche Form der Naturfotografie ist. Leider ist die Entfernung zwischen Stativ und Insel durch einen Wassergraben, den man nicht überwinden kann, sehr viel größer als beim Waagejot. Formatfüllende Fotos der Küken habe ich mit meiner Kombination 500mm + 1,4er Konverter an einer APS-C Kamera nicht hinbekommen.

Trotzdem ist Ottersaat bei Oudeschild eine sehr gute Location für Flugaufnahmen, Kampfsituationen und Bodenaufnahmen– bei den Möwen und Seeschwalben ist ständig etwas los. Fotografieren kann man (im Juni) Möwen, Seeschwalben, Rotschenkel, Säbelschnäbler und Austernfischer. (Bildnummern -121.jpg, -122.jpg, -127.jpg, -128.jpg). Objektivempfehlung: Für Flugaufnahmen reichen oft schon 200 mm, besser ist ein 100-400 mm. Will man die Vögel auf den Inseln fotografieren, sollte es schon mindestens ein 150-600 mm oder eine Festbrennweite mit mehr als 500mm am besten mit Konverter an einer APS-C Kamera sein.

De Staart (bei De Waal) :
Hingucker zu jeder Tageszeit 

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Uferschnepfe auf Texel (Foto: Ulrich Koch)

De Staart bei De Waal ist eine tolle Location, habe sie immer wieder zu verschiedenen Zeiten aufgesucht. .Beste Zeit: Ganztags, da in alle Richtungen fotografiert werden kann. Sehr bequem, da man am besten aus dem Auto heraus fotografiert. Wenn man die Straße De Staart (s. Karte 3 und 4) nicht kennt und beim Durchfahren nicht aufmerksam nach rechts und links schaut, würde man wahrscheinlich an einem der besten Fotospots der Insel vorbeifahren. Bei näherem Hinschauen ist auf der einen Seite eine kleine Wasserfläche, die aber fotografisch eher unergiebig ist, da sich dort nicht viele Vögel aufhalten und die Entfernung zu ihnen relativ groß ist. Man sollte aber langsam fahren und sich umsehen.

Auf Zaunpfählen sitzen regelmäßig Rotschenkel oder Uferschnepfen. Die sind so „cool“, dass man sich ihnen mit dem Auto vorsichtig bis auf wenige Meter nähern kann (Bildnummer -113.jpg). Ein Fest für die Naturfotografie! Mit meinem 100-400 mm musste ich bei einer Uferschnepfe das Objektiv für eine formatfüllende Aufnahme nicht einmal voll ausfahren. Voraussetzung ist, dass man sich mit dem Auto vorsichtig nähert und keine ruckartigen Bewegungen im Auto macht. Es lohnt sich auch die Querstraßen abzufahren – hier konnte ich einen Löffler, der sich wohl von der Futtersuche ausruhte, fotografieren (allerdings war der etwas scheuer, die Aufnahme entstand bei 700mm). Außerdem trifft man hier Greifvögel, Austernfischer, Gänse, Kiebitze und auch Hasen an (Bildnummern -108.jpg, -115.jpg, -116.jpg).  Objektivempfehlung: Optimal ist die Abdeckung von 400mm – 700mm und mehr.

Spezieller Tipp:
Vogelinformationszentrum in de Cockdorp

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Wildgans mit ihren Jungen (Foto: Ulrich Koch)

Wer Vögel nicht nur fotografieren möchte, sondern auch sein Wissen über die Tiere erweitern will, der ist beim Vogelinformationszentrum in de Cocksdorp genau richtig! Das Personal ist nett und informiert darüber, wo aktuell welche Vögel am besten zu beobachten sind. Ebenso geben einem die Mitarbeiter wertvolle Tipps, wie man sich den Tieren gegenüber am besten verhält. Außerdem bietet das Informationszentrum diverse Beobachtungsexkursionen an. Da ich daran jedoch nicht teilnehmen konnte, kann ich über deren Qualität nichts aussagen.

Nicht besucht habe ich als Vogelfotograf folgende Orte, die ich mir aber für meinen nächsten Besuch auf Texel vorgenommen habe: De Schorren (war während des Aufenthalts geschlossen, nur per Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen). De Slufter (die Aussichtsplattform war entgegen einiger Empfehlungen im Internet fotografisch unergiebig). Eierlandsche Duinen, Bollekamer und De Muy (Laufwege sehr weit).

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass Texel eine wunderbare Vogelinsel ist und wir einen tollen Urlaub dort verbracht haben. Fotografisch bietet das Eiland für meinen Geschmack wirklich außergewöhnlich viel und deshalb werden wir wiederkommen!

 

 

Eingesetztes Equipment
Für die Fotos habe ich eine Canon EOS 5D Mark III (Vollformat) und eine Canon EOS 7D Mark II (Crop) benutzt. Als Objektive kamen ein CANON EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS II USM und ein Canon EF 500mm 1:4 L IS II USM Teleobjektiv (Version I) meistens mit einem Canon Extender EF 1.4x II zum Einsatz. Überwiegend hatte ich die 7D II im Einsatz, weil sie den Cropfaktor hat und man so näher an die Vögel herankommt und weil sie 10 Bilder/Sekunde macht – die 5D III schafft “nur” 6.